„Braucht Gott etwa ein Menschenopfer?“ Solche Anfragen an den Karfreitag und an das Symbol des Kreuzes begegnen mir häufig.
Auf viele Menschen wirkt das Kreuz als Symbol der Folter und des Todes. Die Vorstellung, dass es etwas mit Vergebung zu tun hat, schreckt erst einmal ab. Dabei ist es nicht so, dass Gott Jesu Tod am Kreuz „gebraucht“ hätte. Er könnte uns Menschen alles vergeben, was er will. Nur: Wir neigen dazu, ihm genau das nicht zu glauben. Nicht Gott braucht das Kreuz, sondern wir Menschen brauchen es, um ihm zu glauben, dass er sich lieber selbst zu Unrecht anklagen und bloßstellen lässt, als einen Menschen verloren zu geben. Und damals wie heute wirkt dieser Zuspruch gerade auf Menschen, die ein starkes Zeichen für Vergebung brauchen, auf unerklärliche Weise wie kein anderes. Aber – und das finde ich an den Anfragen an die traditionelle Deutung des Kreuzes sogar sehr berechtigt: Es steckt noch viel mehr darin als ein Zeichen von Vergebung. Es zeigt, dass Gott auf der Seite von Menschen ist, die Opfer von Gewalt sind. Die aufgrund ihres bloßen So – Seins gesellschaftlich ausgeschlossen werden und verbale und körperliche Gewalt erleiden. Das Kreuz steht für Gottes offene Arme für uns, mitten in einer finsteren Welt, die oft gegen uns zu sein scheint. Und es steht wie ein Stoppzeichen gegen das Böse und den Tod vor unseren Augen: Hinter dem, was wir mit den Augen sehen, steht Gottes Wirklichkeit, und in ihr haben Tod, Ausgrenzung, Schmerz und Unrecht keine Macht. Auch das steckt im Symbol des Kreuzes.
Gott ist für uns, nicht gegen uns.
Pfarrerin Dr. Christina Risch, Ev. Gemeindeverbund Simmern
